Einleitung

Zum Fortbestehen der menschlichen Art ist die sexuelle Fortpflanzung oder umgangssprachlich „Sex“ unabdingbar. Wie bei allen Säugetieren kann die Fortpflanzung beim Menschen nur auf sexuelle Art erfolgen und nicht auf asexuelle Art (wie zum Beispiel Sprossung bei Hefen1 oder Ablegern bei Pflanzen2). Durch die Sexuelle Vermehrung des Menschen kann eine Durchmischung der väterlichen und mütterlichen Gene entstehen, die dazu führt, dass die Filialgeneration einen stark veränderten Gensatz erhält. Der biologische und evolutionäre Vorteil besteht darin, dass dadurch eine Vielzahl an Genkombinationen möglich ist, sodass eine Filialgeneration gegen Krankheiten immun werden kann oder schädliche Ausprägungen, die nur bei homozygot vorliegendem Erbgut ausgebildet werden, nicht in Erscheinung treten.3

Aus dieser Evolutionären Sicht heraus ist folglich der Wille zum Sex im Menschen einprogrammiert und Sigmund Freud machte den Sexualtrieb zu einem der wichtigsten Bestandteile seiner Triebtheorie.4

Anders als bei anderen Säugetieren (Ausgenommen z.B. Delphine5 und Bonobo Affen) dient der Sex beim Menschen nicht nur zur Fortpflanzung, sondern auch zum Pflegen sozialer Kontakte oder dem nachgehen der Libido.

Aus diesem Grund ist es nicht erstaunlich, dass der Sex Einzug in die verschiedensten Kulturen gefunden hat. Sei es durch Venus und Aphrodite Kulte6 oder die Bacchanalien im alten Rom und Griechenland, der Erstellung des Kamasutras, über Biblische Darstellungen „Wie eine Palme ist dein Wuchs; deine Brüste sind wie Trauben. Ich sage: Ersteigen will ich die Palme; ich greife nach den Rispen. Trauben am Weinstock seien mir deine Brüste“7 (Hohelied, Bibel Salomo) bis zur zeitgenössischen kulturellen Ausprägungen, wie Pornographie oder modernen Sexspielzeugen.

Geschichte der Sexspielzeuge

Abbildung 1: Venus von Willendorf

Wie bereits erläutert ist die Sexualität und damit die damit verbundenen Symbole eng mit der Kultur des Menschen verknüpft. Die frühesten bekannten Figuren, die eindeutig auf sexuelle Merkmale anspielen sind zum Beispiel die Venus von Willendorf. Sie zeigt mit ihren großen Brüsten und ihrem ausgeprägten Becken die markanten Geschlechtsmerkmale einer Frau und birgt somit eine erste sexuelle Anspielung.8

Auch ein Symbol für das Männliche, ein Phallus, der ca. 28.000 Jahre alt ist wurde bereits gefunden. Er wurde aus Granit gefertigt und ist eindeutig anthropogenen Ursprungs, da man Bearbeitungsspuren auf dessen Oberfläche gefunden hat. Allerdings ist bis heute ungeklärt, ob es sich um ein rein rituelles Objekt handelt oder um einen tatsächlich eingesetzten Dildo.9

Diese Funde zeigen, dass sich der Mensch von Beginn an mit der Darstellung von Geschlechtsmerkmalen beschäftigt und eventuell sogar mittels eines Werkzeuges sexuelle Befriedigung erreichte.

Weitere Belege für Sexspielzeuge können wir in der Antike finden. So soll Kleopatra Gefäße aus Papyrus besessen haben, in deren inneren sich Insekten, wahrscheinlich Bienen befunden haben. Diese Gefäße wurden dann als eine Art Vibrator eingesetzt, da die Bienen im inneren des Gefäßes herumflogen und so das Gefäß in Schwingung versetzten.10

Auch aus der griechischen Mythologie sind einige Fälle bekannt, in denen Sexspielzeuge hergestellt wurden. So sollte Dädalus für die Königin von Kreta etwa ein Gestell bauen, mit dessen Hilfe sie sich von einem Stier begatten lassen konnte.

Aus dieser Verbindung zwischen Mensch und Stier ging der Minotaurus hervor, ein Mischwesen aus Stier und Mensch, der in der wiederum in ein Labyrinth eingesperrt wurde.11

Aber auch im griechischen Alltag gab es Sexspielzeuge, die sogenannten „Olisboi“. Eine Phallusdarstellung, vergleichbar mit dem heutigen Dildo, der auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt wurde.

Doch mit dem erstarken der christlich-jüdischen Tradition im Mittelmeer Raum und galt Sexualität nur als Mittel zur Fortpflanzung und daher wurden Sexspielzeuge tabuisiert. Trotz allem gab es (jedoch nur vereinzelt) im Mittelalter, vor allem im Hochmittelalter, einige Sexspielzeuge. Darunter das Godemiché, ein künstlicher Penis.

Es gab aber auch Werkzeuge um die Sexualität der Partnerin zu unterdrücken, den sogenannten Keuschheitsgürtel. Dieser wurde aber nur sehr vereinzelt getragen und wenn dann nur für einige Stunden, da der Gürtel selbst für mittelalterliche Verhältnisse sehr unhygienisch war, da die gesamten Exkremente den Gürtel passieren mussten, wodurch zwangsläufig Fäkalienreste am Gürtel hängen blieben. Diese waren ein Infektionsherd und ein langes tragen eines Keuschheitsgürtel konnte lebensgefährlich sein. Somit kann das Tragen eines Keuschheitsgürtels über einen langen Zeitraum hinweg nahezu ausgeschlossen werden. Erst später im 19. und 20. Jahrhundert sollte er zu neuer Verwendung finden. Allerdings nur zum Schutz von Frauen, die als Zimmermädchen arbeiteten und daher häufigen übergriffen von männlichen Gästen ausgesetzt waren.

Einen weiterer Archäologische Fund in einer Jauchegrube in Polen bestätigte, dass im 17. und 18. Jahrhundert auch Dildos gab. Dieser war ein Ledersack, der mit Borsten gefüllt war und eine phallische Form aufwies.12

Eines der bekanntesten Sexspielzeuge, der Vibrator, hielt aber erst ab dem 19. Jahrhundert seinen Siegeszug. So sind die Anfänge des Vibrators zwar auf Kleopatra zurückzuführen, doch konnte er durch Dampf und händischen und später durch elektrischen Betrieb massentauglich gemacht werden. Doch diente der Vibrator nicht etwa zur Befriedigung, sondern sollte Frauen von einer Krankheit, der sogenannten Hysterie, die mittlerweile aus dem Medizinischen Diagnose Band gestrichen wurde, heilen.

So nahm man an, dass die Hysterie aus der Gebärmutter kam und bei der Frau Stimmungsschwankungen hervorrief. Diese konnte nach Meinung der damaligen Ärzte allein durch die Herbeiführung eines Orgasmus gelindert werden.

Mit der sexuellen Revolution und er der Erfindung neuer Materialien, wie Latex, fanden Sexspielzeuge immer größeren Anklang. Weiterhin konnten sie durch eine starke Medienpräsenz das Laster des Tabus überwinden und sind heute ein nahezu selbstverständlicher Gebrauchsgegenstand.

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1 Ruhland W.: Handbuch der Pflanzenphysiologie, 1. Auflage, Springer Verlag, New York, 1967, Seite 126-127

2 Murray W.: Botanik, 1. Auflage, Pearson Deutschland – Pearson Studium, München , 2007 Seite 145

3 Mark Ridley: Evolution. 3. Auflage. John Wiley & Sons, 2003, S. 314–327.

4 Sigmund Freud: Triebe und Triebschicksale. (1915). Psychologie des Unbewußten, Studienausgabe, Band III, Fischer, Frankfurt am Main, Sonderausgabe 2000, S. 87.

5 http://www.meeresakrobaten.de/delfine/anatomie/die-fortpflanzungsorgane-der-delfine/

6 Wilhelm Heinrich Roscher u.a.: Aphrodite. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 1,1, Leipzig 1886, Sp. 390–419

7 Die Bibel; Einheitsübersetzung; Das Hohelied; Kapitel 7; Vers 8-9

8Monique Scholz : Venus von Willendorf: Die bekannteste Frauenskulptur der Welt ; 14.11. 2012 http://www.h-age.net/hinter-den-kulissen/lexikon-der-fachbegriffe/883-venus-von-willendorf.html

9 Alice Ahlers : Frankfurter Rundschau; 02.03.2012 http://www.fr.de/wissen/antikes-sexspielzeug-ein-dildo-aus-der-steinzeit-a-886083

10 Jörn Meyn: Die Welt ; Mit Orgasmen gegen die weibliche Hysterie ; 05.09.2011 ; https://www.welt.de/lifestyle/article13584984/Mit-Orgasmen-gegen-die-weibliche-Hysterie.html

11 Ovid, Metamorphosen

12 Dörthe Seubert: Cosmopolitan; 17.04.2015 ; www.cosmopolitan.de/dildos-im-wandel-der-zeit-300-jahre-alter-dildo-gefunden-65270.html